Startseite

17 Kulturwege
506 Einträge
mit 1699 Fotos

Aktuelles
Verschollenes

Historische Galerie
Fotogalerie
Veränderungen
Fotospaziergänge

Fotos ges.: 5476

Zufallsbild

Bücherbox

Werbung
Rosenkalender 2020

Werbung
Kindheit


Werbung


Vorheriger Beitrag    Nächster Beitrag


Pestalozziplatz und Pavillon Genuss & Kunst
24.02.2017 10:23 - Gerd Laeser

Zum Ansehen der Fotos in der Bilderstrecke auf eines der Fotos klicken

Bei unserer Erkundung einer Fahrstrecke für mehrere PKW in Kolonne vom Heimatpark Weißagk ins Zentrum von Forst über Mulknitz und die frühere Örtlichkeit Mückenhain sowie – Neu Sacro – Sacro - ohne größere Linksabbiegungen bzw. Ampelkreuzungen, kamen wir im Stadtzentrum an dem herbstlich bunten Pestalozziplatz vorbei. Wir waren beeindruckt von dieser wunderbaren Stimmung trotz fehlender Sonne. Aber so ist nun mal sehr häufig im Herbst. Eigentlich wollten wir an diesem Tag ja „nur“ in den Pavillon Genuss & Kunst von Diana Podlesch, um dort für unseren Abschied als Niederlausitzer Wandergurken im Zusammenhang mit einem einmaligen persönlichen Jubiläum ein Mittagessen zu organisieren. Kurz entschlossen parkten wir aber erst einmal auf dem Lindenplatz, um diese Stimmung vom nahen Pestalozziplatz fotografisch einzufangen.

Die Stadt Forst in der Niederlausitz und den Pavillon Genuss & Kunst hatten wir für den genannten Anlass ganz bewusst ausgewählt. Forst (Lausitz) als Stadt der Niederlausitz im Glogau-Baruther Urstromtal liegend – genau wie unsere Heimatstadt Lübbenau auch, mehrere Jahrhunderte im Spannungsfeld zwischen Sachsen und Brandenburg-Preußen, die Stadt einer 700jährigen Adelsgesellschaft Forst-Pförten mit der sie prägenden Freien Standesherrschaft der Neuzeit – wie unsere Heimatstadt Lübbenau auch - zwischen ihrem Tiefpunkt mit dem großen Stadtbrand von 1748 und ihrer Hoch- bzw. Blütezeit in den Jahren als „ostdeutsches Manchester“, die Stadt an einem Fluss – wie Lübbenau an der Spree – hier an der Lausitzer Neiße, die durch den 2. Weltkrieg zur Grenzstadt wurde und diese seitdem ist mit all ihren Höhen und Tiefen gesellschaftlicher Entwicklung.

Über den Pestalozziplatz ist mehr oder weniger bekannt, dass der früher Bismarckplatz hieß, mit einem Denkmal des Eisernen Kanzlers bzw. Ministerpräsidenten etwa in der Mitte. Mehr und mehr verblassen bei den jetzt lebenden Menschen die Erinnerungen darüber, dass der Verlauf der Uferstraße und der Promenade durch den früher offenen Lohmühlengraben bestimmt ist. Erst kürzlich fanden wir im Internet eine Ansichtskarte, welche zeigt, wie dieser offene Graben auch den Bismarckplatz in seiner südöstlichen Ecke einst tangiert hat.

Das Gymnasium, früher als Realgymnasium bzw. Prorealgymnasium, auch Georgianum genannt, schloss bzw. schließt den Bismarckplatz/Pestalozziplatz im Westen ab. Es war das erste Gymnasium der Stadt und Vorläufer des heutigen Friedrich-Ludwig-Jahn Gymnasiums. Zwischenzeitlich diente das Schulgebäude auch anderen Bildungsinhalten und Einrichtungen, wie z.B. Grundschule oder Förderschule Albert Schweitzer. Hochinteressant sind u.a. die so genannten Jahresberichte 1893 bis 1897 des genannten Gymnasiums, welche die Universität Düsseldorf auf ihrer Internet-Plattform veröffentlicht hat. Sie geben Auskunft darüber, was im jeweiligen Jahr in den einzelnen Fächern – 1. Religion, 2. Deutsch und Geschichts-Erzählungen, 3. Lateinisch, 4. Griechisch, 5. Französisch, 6. Englisch, 7.Geschichte und Erdkunde, 8. Rechnen und Mathematik, 9. Naturbeschreibung, 10. Physik u. Elemente der Chemie und Mineralogie, 11. Schreiben, 12. Zeichnen - mit welchem Stundenumfang und Bildungsinhalten gelehrt wurde und „was sonst noch so in dem Gymnasium passierte“.

Wir fragten uns, was eigentlich die einzelnen Bezeichnungen für die Schule bedeuten. Als Realprogymnasium wurden in Preußen nach Verordnung vom 31. März 1882 Realgymnasien ohne Prima (oberste Schulklasse vor dem Abitur) bezeichnet. Zuvor waren diese die Höheren Bürgerschulen. (Wikipedia)

Das Realgymnasium ist sowohl eine historische, als auch eine aktuell verwendete Bezeichnung für eine Schulform. Zumeist baut sie auf dem mittleren Bildungsabschluss auf und führt zur allgemeinen Hochschulreife (Abitur bzw. Matura/Maturität). Sie setzt den Schwerpunkt auf moderne Fremdsprachen oder naturwissenschaftliche Fächer, welche früher als Realien bezeichnet wurden. (Wikipedia)

Und Georgianum (seit 1886)? Dazu gab es am 25. Februar 2016 einen Forster Geschichtsstammtisch „Aus dem Schulleben des Georgianum“. Am 28. Februar 2016 schrieb Frank Henschel als Organisator des Geschichtsstammtisches sowie Verantwortlichen deren inhaltlicher Ausrichtung in einem Beitrag hier in dem Kulturwege-Portal (nach seinem eigenen heutige Hinweis zu diesem Text): „Eine Stiftung des Forster Fleischermeisters Gustav Jacobi in Höhe von 54000 Mark (heute etwa 500 000 Euro) war der Grundstock für den Bau des Progymnasiums, der Schule am jetzigen Pestalozziplatz. Den etwas eigenwilligen Namen der Schule, „Georgianum“, bestimmte der Stifter selbst und erinnert damit an seinen jung verstorbenen Enkel Georg.“

Zum Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr in der Hochstraße. 1862 wurde die aus dem 1861 gegründeten Turnverein hervorgegangene Turnerfeuerwehr gegründet. Das Feuerwehr-Gerätehaus I am heutigen Pestalozziplatz 2 wurde am 1. Dezember 1889 eingeweiht. Eine sehr große Bewährungsprobe musste die Feuerwehr erstmalig bei dem verheerenden Neiße-Hochwasser 1897 bestehen, als fast die ganze Stadt unter Wasserstand. 1910 wurde auf diesem Gerätehaus die erste elektrische Sirene in Betrieb genommen. Um 1924 war die Feuerwehr Forst die am besten ausgerüstete Wehr der Mark Brandenburg. 1933/34 gab es Umbauarbeiten an diesem Gerätehaus I. 1929 ging die Forster Feuermeldeanlage in Betrieb. Schwerste Zeiten musste die Feuerwehr besonders in den letzten Kriegsjahren des 2. Weltkrieges durchstehen und auch die ersten Jahre des Neuanfangs danach waren nicht einfach…

Nach unserem Kenntnisstand ist dieses Gerätehaus z.Zt. noch Unterstellmöglichkeit für die Schwarze Jule, eine Straßenbahnlokomotive der früheren Stadtbahn (Dauerleihgabe des Verkehrsmuseums Dresden), bis ein endgültiger Standort gefunden ist.

Bleibt noch der Pestalozziplatz. Johann Heinrich Pestalozzi war ein Schweizer Pädagoge. Außerdem machte er sich als Philanthrop, Schul- und Sozialreformer, Philosoph sowie Politiker einen Namen…

Auf dem Grabstein stehen die Worte: „Hier ruht Heinrich Pestalozzi, geb. in Zürich am 12. Jänner 1746, gest. in Brugg am 17. Hornung 1827. Retter der Armen auf Neuhof. Prediger des Volkes in Lienhard und Gertrud. Zu Stans Vater der Waisen, Zu Burgdorf und Münchenbuchsee Gründer der neuen Volksschule. Zu Iferten Erzieher der Menschheit. Mensch, Christ, Bürger, Alles für Andere, für sich Nichts. Segen seinem Namen!“ (Wikipedia)

Ein Zusammenhang mit der Einrichtung der Förderschule namens Albert Schweitzer im Georgianum ist für uns nahe liegend…

Und dann der Pavillon Genuss & Kunst. Die bis zu uns in den Spreewald schwappenden Nachrichten durch Printmedien und Internet über den Genuss von Kunst und Kultur in diesem kleinen aber feinen Restaurant hatten uns neugierig gemacht. Schon beim Betreten dieser gastlichen Stätte merkten wir – das ist es! Die ruhige anheimelnde Atmosphäre führten recht schnell zur so genannten Entschleunigung von Geist und Körper bei uns – und das an einer Hauptstraße! Die übersichtliche, gut sortierte Speisekarte tat ihr Übriges. So probierten wir gebratene Leber und Bauernfrühstück. Beides war eine sehr gute Wahl und Erfahrung, die wir unserer kleinen Geburtstags-Gesellschaft im Januar dann auch gern weiter erzählten und vorführten. Landläufig nennt man so etwas „Mundpropaganda“ – eigentlich die beste Form von Werbung – ohne Gewinnerzielungsabsicht…!


Dieses Erlebnis „Pavillon Genuss & Kunst“ als Fotospaziergang ist unser persönliches Dankeschön an das kleine Team von Diana Podlesch. Hier wird das Genießen von Genuss in Form von „Esskultur“ selbst zu einem solchen Empfinden als Erfahrung. Genießen von Kunst und Kultur haben wir vorerst „nur“ durch die Innenarchitektur in ihrer Einheit von Ausgestaltung und Funktionalität sowie in Form touristischer Gastlichkeit erfahren. Als Aktion bzw. im Rahmen einer Veranstaltung wollen wir das aber unbedingt noch erleben…

Edeltraud Roblick-Laeser und Gerd Laeser, nun als Gästeführer Niederlausitz i.R. – Lübbenau/Spreewald









Vorheriger Beitrag    Nächster Beitrag
 
Werbung