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Vom Forster Rosengarten zur Höhe 118,6 – dem höchsten Punkt der Stadt
14.03.2017 21:28 - Gerd Laeser

Zum Ansehen der Fotos in der Bilderstrecke auf eines der Fotos klicken

Im Forster Internet-Stadtportal forst-lausitz.de kann man bei Zahlen und Fakten über die Lage der Stadt Forst (Lausitz) lesen: „Die Höhenlage erstreckt sich von 63,1 m ü.n.N. bis 118,6 m ü.n.N.“. Mal abgesehen von unterschiedlichen Schreibweisen der Bezeichnung ü.n.N. für „über normal Null“ – fälschlicherweise mit „über dem Meeresspiegel“ erklärt – und der Veränderung 1993 durch die Zusammenlegung der Höhenbezugssysteme der alten und neuen Länder in der BRD (siehe Normalnull in der Wikipedia) haben wir uns als „Nichtforster“ gefragt, wo sich diese beiden Punkte denn nun eigentlich befinden könnten und wie es dort wohl aussieht? Dazu muss man sich daran erinnern, dass umliegende Dörfer in die Stadt Forst eingemeindet wurden. Auch darüber gibt die genannte Webseite Auskunft: „Die Stadt gliedert sich in die Ortsteile Forst, Bohrau, Briesnig, Groß Bademeusel, Klein Bademeusel, Groß Jamno, Klein Jamno, Mulknitz, Naundorf, Horno (ab 1.9.03) und Sacro (ab 26.10.03).“ Für die Öffentlichkeit hätte man die Jahreszahlen, den Grund dafür wie auch die „Verfahrensweise“ dieser Eingemeindungen ruhig nennen sowie die genannten Jahreszahlen ausschreiben können, um Verwechselungen auszuschließen.

Und weiter lesen wir: „Die ehemaligen Ortsteile Keune, Domsdorf, Noßdorf und Eulo wurden 1940 eingemeindet und zählen nicht mehr als offizielle Ortsteile. Im Volksmund werden sie noch gern als Orientierung genannt und sollen deshalb hier erwähnt werden. Sie gehören zum ‚Ortsteil’ Forst. Sacro wurde 1946 eingemeindet und erhält ab 26.10.2003 wieder den Status eines Ortsteiles. Der Ortsteil Horno (Rogow) ist ein neugegründeter Ortsteil mit ehemaligen Bewohnern vom Ort Horno, der dem Tagebau weichen musste.“

Ergänzend fügen wir an dieser Stelle hinzu, das Altforst bereits 1875 eingemeindet wurde und Berge sowie Scheuno, beide ebenfalls frühere Ortsteile, seit 1945 nicht mehr zur Stadt Forst gehören. Keune wurde von 1487 bis 1937 als Koyne geschrieben. Die ehemaligen Ortsteile Berge (1897 bis 1945) und Scheuno (1940 bis 1945) gehören seit 1945 zu Polen.

Bereits 2013 haben uns Recherchen zum topographisch tiefsten und höchsten Punkt der Stadt Forst beschäftigt. Schnell wurde uns dabei bewusst, dass dazu detailliertes Kartenmaterial notwendig ist, auf dem Gemarkungsgrenzen und topographische Punkte und Höhenlinien eingezeichnet sind. Schon damals war uns bekannt, dass man diese Karten für die Grenzregion um Forst am besten in einem polnischen Portal findet. Die „Zauberformel“ lautet „igrek.amzp.pl/mapindex.php?cat=TK25“ – und dann bitte Mapster anklicken. Die Öffnung der Datei benötigt aufgrund ihrer Größe etwas Zeit. Bitte Geduld haben, bis das jeweils ausgewählte Kartenblatt in seiner Gesamtheit zu sehen ist. Am besten ist es, unter Beachtung der Urheberrechte die Datei in einen eigenen Ordner zu downloaden, um für private Zwecke in Ruhe damit arbeiten zu können.

In dieser Übersichtskarte benötigt man für die Recherchen die Kartenblätter 4153 Strega, 4253 Forst, 4254 Pförten und 4354 Triebel. Für Abgleiche mit aktuelleren Karten haben wir hauptsächlich mit der TK 50 (Maßstab 1:50.000) L 4354 Forst(L.)-Groß Bademeusel und TK 50 L 4352 Cottbus-Ost des Landesbetriebes Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (geobasis-bb.de für Online-Bestellungen) gearbeitet, in der auch die Höhe 118,6 und die von uns in Gänze beschriebenen Wege so eingezeichnet sind.

Wenn man nun weiß, dass die Erdoberfläche im Raum Forst von Süden nach Norden leicht einfallend ist, kann man davon aus gehen, dass der tiefste Punkt im Norden und der höchste Punkt im Süden der Stadt sein müsste. Das muss aber nicht so sein. Manchmal gibt es auch so genannte topographische „Ausreißer“, also Besonderheiten bei den Höhen und Tiefen. In unserem konkreten Fall ist es aber so! Auf dem Messtischblatt (MTBl.) 4153 Strega finden wir sogar noch einen tieferen Punkt als den 63,1 m ü.n.N., nämlich 62,1 - und zwar dort, wo sich nördlich von Briesnig die Straße (heutige B112 Richtung Grießen-Guben, früher nach Horno) mit der Bahnstrecke und einem Bogen der Lausitzer Neiße am nächsten kommen. Diesen Punkt wird es wahrscheinlich heute so nicht mehr geben. Wir gehen davon aus, dass dieser Punkt im Zusammenhang mit dem vorbei ziehenden Tagebau Jänschwalde erdbaulich verändert wurde. So nehmen wir an, dass sich der genannte tiefste Punkt von Forst heute im Bereich der Briesniger Vorflut östlich der B 112 befindet, etwa dort, wo diese Vorflut in Höhe der nördlichen Gemarkungsgrenze in die Lausitzer Neiße entwässert – (siehe Stadtplan auf der Webseite forst-lausitz.de - einfach bis dahin den Stadtplan scrollen). Ein Stück der alten Vorflut zusammen mit der ehemaligen Grubenwasserableitung (?) wird dort ebenfalls noch gezeigt.

Mit dem höchsten Punkt 118,6 war es da schon etwas einfacher, denn diesen gibt es heutzutage noch, allerdings mit einer früher angegebenen Höhe von 118,0 m ÜNN (was sicherlich mit einem inzwischen veränderten Höhenbezugssystem zusammen hängt oder aber mit erdbaulichen Veränderungen durch Stellungsausbau im Frühjahr 1945) und zwar auf dem MTBl. 4354 Triebel 1940, nördlich der Autobahn und südsüdwestlich von Groß Bademeusel.

Leider hat man vergessen (?), wenigstens diese beiden Punkte in den genannten aktuellen Forster Online-Stadtplan mit Höhenangaben einzutragen…

Damit waren unsere Vorbereitungen dieser langen Tour von immerhin 18 Kilometer noch nicht abgeschlossen. Nun begannen im Geiste Theodor Fontanes, als dem Begründer der erwanderten Landesgeschichte Brandenburgs, erst die eigentlichen Recherchen, denn nur wenn man weiß, wo man sich, historisch betrachtet, befindet und wo man lang geht, wird so eine Tour zu einem wahren Erlebnis (siehe „Theodor Fontane Begründer der erwanderten Landesgeschichte“ und/oder „Theodor Fontane über reisen in der Mark“ – jeweils die erste Empfehlung – bei Google auswählen).

Es gab also Recherchen zur Stadt Forst in Vergangenheit und Gegenwart einschließlich der eingemeindeten Ortsteile, zur Lausitzer Neiße von der Quelle bis zur Mündung einschließlich ihrer Durchbrüche und ihrer Mäandrierung sowie zu den markantesten Hochwassern und deren Folgen, zum Deichbau, zur Oder-Neiße-Grenze, zum Oder-Neiße-Radweg, zur Autobahn (besonders zur früheren Trasse Berlin-Breslau - der heutigen BAB 15) und nicht zuletzt zu den Geotopen im Spree-Neiße-Kreis, besonders denen links und rechts des Weges, den wir zu zweit laufen wollten.

Auch Fragen nach Einkehrmöglichkeiten, Haltestellen des ÖPNV, des Wetters, des Fotolichtes und der Frequentierung des Oder-Neiße-Radweges durch die Radler spielten ein Rolle bei der Planung, wann wir wo sein wollten.

Nach dem Trubel um die 100 Jahre Forster Rosenschau hatten wir uns für die lange Erkundung dieses Fotospaziergangs einen schönen Herbsttag ausgesucht, an dem der Oder-Neiße-Radweg in den Vormittagsstunden nicht mehr so stark von Radlern frequentiert ist. Schließlich waren wir ja „per pedes“ unterwegs, also zu Fuß. Und der Übergang von Mutter Natur in die blattlose Zeit ermöglichte hier und da schon eine bessere Sicht durch die Landschaft.

Ausgangspunkt war der Parkplatz am Forster Rosengarten (Foto 1). Bewusst bewegten wir uns so „schön neugierig“ wie Wandertouristen, welche diese Tour unvorbereitet unter die Sohlen nehmen wollen. Schon bei der Bebauung der Ringstraße (Foto 2), die ja bekanntlich auf den Entwurf der Stadtrandsiedlung 1932 des damaligen Stadtbaurates Rudolf Kühn (1886-1950) zurück zu führen ist, merkten wir, dass das gar nicht so einfach ist.

Besonders 2011, dem Jahr seines 125. Geburtstages, würdigten regionale Printmedien sein Schaffen in der Zeit von 1920 bis 1934 als Bauen in der Moderne in und für die Stadt Forst mit mehreren Beiträgen. In der Lausitzer Rundschau war u.a. zu lesen, dass er für kühne Bauzeiten in Forst stand, aber leider auf ideologisch falscher Seite.

Berühmt ist besonders sein Entwurf eines neuen Rathauses zwischen Gutenbergplatz und Stadtkirche St. Nikolai mit der Perspektive eines Wolkenkratzers von New York (auf den ersten Blick). Die Stadt richtete 2011 eine Festveranstaltung aus. Eine Villa in Form eines Schiffsrumpfes an der Paul-Högelheimer-Str. (früher auch hier Skurumer Str.), die er sich 1929 (?) als Dienstwohnung bauen ließ, steht zwar unter Denkmalschutz, aber immer noch leer… Im Dezember 2011 wurde eine deutsch-polnische Freiluftausstellung mit Info-Tafeln an der Berliner Straße eröffnet, die nun vor Kurzem zerstört wurden, mitten in der Nacht im Zentrum einer so bekannten Stadt…

Die Beschäftigung mit Rudolf Kühn im Zusammenhang mit der Vorbereitung unserer Stadtwanderung 2013 auf dem von uns kreierten „Jule-Spule-Pfad“ als Alternative zu dem schulmeisterlichen und teuren bildungspolitischen Stadtrundgang ließ bei uns die Frage aufkommen, wieso es in Forst eigentlich keine dauerhaft angebotene Stadtführung auf den Spuren Rudolf Kühn’s gibt, etwa unter dem Slogan „Kühnes Bauen in der Moderne“? Vielleicht passiert das ja 2019, wenn bundesweit 100 Jahre Bauhaus gefeiert wird…

Für uns war das Erlebnis dieser Stadtrandbebauung jedenfalls ein schöner Einsteiger in unsere Tour, obwohl die Bebauung der Ringstraße bei Betrachtung als Draufsichtbild oder auf einer Karte etwas unvollendet auf uns wirkt.

Voller Tatendrang machten wir uns auf dem Oder-Neiße-Radweg (Foto 3 u. 4) in Richtung Süden „auf die Socken“. Erster Halt waren die Wehranlagen an der Lausitzer Neiße, dem abzweigenden Mühlgraben und dem so genannten Entengraben (Fotos 5-10). Will man sich damit ausgiebig befassen, sollte man dafür ein Zeitvolumen von 2 Stunden einplanen, Recherchen nicht gerechnet. Diese Erlebnispunkte sind also bei einem Ganztagesbesuch des Forster Rosengartens einschließlich der Wehr- und der Reisigwehrinsel besser aufgehoben. Blieb an diesem Tag lediglich die Frage, und das bis heute, warum man die Chance der Einbindung eines Fußgängerübergangs zur polnischen Seite bei den Wehrneubauten 2010-2012 nicht genutzt hat? Erfreulich ist aber, dass diese neuen Bauwerke ein Meilenstein für die Verbesserung des Hochwasserschutzes der Stadt Forst und ihres Umlandes sind.

Beim Wandern oder Spazieren auf dem Oder-Neiße-Radweg haben wir wieder einmal gemerkt, worin der Unterschied zwischen Wandern und Radfahren besteht? Radfahren ist mehr, aber weniger – Wandern ist weniger, aber mehr…! Wir konnten uns nur schwer vorstellen, jedes Mal vom Rad absteigen zu müssen, um eines der vielen schönen Motive mit der Kamera einfangen zu können…

Interessant fanden wir, dass es auch an der Lausitzer Neiße Deichsiele gibt (Foto 14) – übrigens an mehreren Stellen; bei Bahren hatten wir auch eins entdeckt. Deichsiel??? Ja, richtig –eine oft gestellte Frage in Kreuzworträtseln nach einer Deichschleuse mit vier Buchstaben. SIEL. Aber dann ist doch Deichsiel doppelt gemoppelt –wie man so sagt? Egal. Die Funktion ist wichtig (siehe dazu Siel in der Wikipedia).

Und dann die Spuren des „Nachtmahls“ der Biber (Foto 17). Der tierische Deichbauer ist gar nicht so selten an und in der Lausitzer Neiße. Wir entdeckten seine Fraßspuren u.a. auch an dem Fluss stromaufwärts bei Zelz u. Siedlec, Olszyna (Erlenholz), Pusack u. Zarki Wielkie (Groß Särchen), Köbeln, im UNESCO-Welterbe Muskauer Park/Park Muzakowski, bei Pechern, Rothenburg/OL und in der Nähe des östlichen Punktes Deutschlands bei Zentendorf.

Bald sehen wir östlich der Neiße zwei Häuser im polnischen Brozek – früher Scheuno (Foto 27). Diese stehen südöstlich der Eko Rycykling Sp., wo gegenwärtig schon seit Tagen eine Deponie brennt. Zwischen den beiden Häusern, in dieser Perspektive nicht zusehen, führte die Dorfstraße hindurch, welche vorbei am Scheunoer Weinberg zur früheren Sprengchemie, einem sehr wichtigen deutschen Rüstungsbetrieb bis 1945, führte.

Von rechts, aus nordwestlicher Richtung, führt nun ein alleeartig bepflanzter Weg heran, der von Keune kommt und dort den Straßennamen hat Am Sandberg (Fotos 28, 30 u. 31). Man kann an dieser Stelle von dem erhöhten Standort auf dem Deich ziemlich weit in die Landschaft gucken und fragt sich, wenn man um diese Bezeichnung weiß, wo ist denn hier ein Sandberg? Vor Ort konnten auch wir diese Frage nicht klären. Erst zu Hause, nach einem nochmaligen Blick auf das alte Messtischblatt 4254 Brody-Pförten von 1946, hatten wir Klarheit. Die Talsandniederung zwischen Keune und dem westlichen Neißedeich, durch die der genannte Weg führt, war bis auf ein Gebiet direkt am Deich wenigstens bei Hochwasser ein Altarm der Neiße und das etwas höher liegende Gebiet, auf dem früher das Bootshaus Scheuno stand, dann eine Insel. Und das muss der Sandberg sein. Ansonsten gibt es hier keinen „Berg“. Und Bootshaus Scheuno? Mal abgesehen davon, dass es dieses Bootshaus heute nicht mehr gibt – Scheuno liegt doch, heute als Brozek, auf der polnischen Seite an der Neiße? Auf dem alten Kartenblatt finden wir auch dazu eine Antwort. Die Grenzlinien der Gemarkungen zeigen, dass das Gebiet des Sandberges und der Talsandniederung westlich der Neiße bis 1945 tatsächlich zu Scheuno gehörten. Die Mäandrierung des genannten Altarmes sieht man auf dem Kartenblatt und man erkennt es aktuell auch noch beim Betrachten der Landschaft auf Google Maps oder Bing Maps. Vor dem Krieg gab es an der Stelle, wo der beschriebene Weg den Neißedeich erreicht, ein Brücke über den Fluss nach Scheuno.

Übrigens: Auch bei uns in Lübbenau haben wir für so etwas ein Beispiel. Hier gibt es eine Straße in der Altstadt, die ist am Ende 25 cm höher als vorne beim Abzweig. Raten Sie mal, wie diese Straße heißt? Bergstraße! Ja, in Hochwasser gefährdeten Gebieten können in Gefahrensituationen 25 bis 50 cm schon viel ausmachen bzw. entscheidend sein.

Wem die gesamte Strecke wandernd zu lang ist, der kann an dem einmündenden Weg abbrechen und über Keune und den am Ende beschriebenen Promenadenweg durch die Keuneschen Alpen zurück laufen. Das sind dann etwa 5,5 Kilometer. So kann man sich diese Tour noch in weitere Etappen einteilen. Wir werden darauf am Ende dieses Textes noch einmal hinweisen.

Bald darauf sehen wir am östlichen Ufer in Brozek erneut zwei Häuser (Foto 32). Auch hier muss man genau hinschauen, um zu erkennen, dass die Straße vor den Häusern vorbei führt (z.B. an den Stromleitungsmasten oder im Vergleich als Draufsichtbild bei Google Maps). Diese Häuser stehen schon südöstlich des Ortskerns von Brozek, kurz vor dem Abzweig des Weges zum Wasserkraftwerk Zasieki. Leider lassen die Perspektive sowie der hohe Baumwuchs einen Blick auf den früheren Scheunoer Weinberg (108,9 m – und das so dicht an der Neiße – zu 78,7 m Wasserspiegelhöhe/Normalwasser der Neiße bei der früheren Brücke!) nicht zu. Wir werden uns ein paar Bilder später noch einmal zu diesem Weinberg äußern.

Im Dunste der Vormittagssonne sehen wir alsbald in einem Neißebogen das Wehr des Wasserkraftwerkes Zasieki, das immer näher kommt; auf einem Foto zuerst jedoch die Mündung des früheren Mühlgrabens in die Neiße (Foto 38), denn das Wasserkraftwerk ist aus einer einstigen Wassermühle hervor gegangen, die einen Eisenhammer antrieb. In unserem dicken Buch „Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafthum Nieder-Lausitz… von W. Riehl und J. Scheu, 1861, heraus gegeben als Reprint 2009 im Niederlausitzer Verlag Guben von Andreas Peter, wird diese Örtlichkeit auf Seite 591 als “Mühle, Neue- oder Neissmühle, Wssm. zu Scheuno. 2 H. 11 E.“ und an anderer Stelle „Neißhammer, einzelne Häuser zu Scheuno, eForst. 4 H. 13 E. Spinnfabrik, Bes. Jeschke“ beschrieben. Wssm. steht dabei für Wassermühle, H. für Häuser, e für eingepfarrt nach, E für Einwohner und Bes. für Besitzer. Also diente die Wassermühle zwischenzeitlich auch als Antrieb mit Transmission einer Spinnfabrik. Wie lange müssen die Leute von Neißhammer früher bloß unterwegs gewesen sein, um in der Forster Stadt- oder Landkirche sonntags das Wort Gottes zu hören und den Segen zu empfangen? (Fotos 39-42 u. 44)

Den Weg, welcher vom Neißewehr (etwa 83 m ÜNN) in südlicher Richtung zur Triebeler Straße weg führt, kann man auf Urmesstischblättern und Messtischblättern in seinem Verlauf übrigens weiter verfolgen - an Raden östlich vorbei (106,4 m ÜNN), westlich auf 148,8 m ÜNN am Spitzen Berg (154,5 m ÜNN) der Jerischker Endmoräne vorbei, an der Stelle des heutigen Schullandheimes und Info-Zentrums Jerischke des Geoparks Muskauer Faltenbogen vorbei sowie durch den westlichen Ortsteil von Jerischke bis nach Köbeln (bei der Papiermühle bzw. –fabrik) und weiter nach Muskau. Welch’ eine Anstrengung für die Pferde eines beladenen Fuhrwerkes wie auch für den Kutscher!

Ja, deshalb gibt es heute noch in Köbeln eine Forster Straße, und auch, weil ein abzweigender Weg in der Gegenrichtung vor dem Autobahnbau in den Preschener Weg von Koyne mündete und in der Verlängerung des Keuneschen Kirchweges bis ins Zentrum von Forst mit Markt und Nikolaikirche führte.

Wären da bloß nicht die fast regelmäßig wieder kehrenden Hochwasser, besonders das von 1897. Das machte wohl alles erst einmal zunichte. Siehe dazu auch „Die Überschwemmung im Neißegebiet 1897“ in dem Buch: Die Provinz Brandenburg in Wort und Bild. Herausgegeben von dem Pestalozzi-Verein der Provinz Brandenburg 1900. Erst 1905 errichtete man auf dem Areal an der Neiße das Wasserkraftwerk Neißmühle, heute Elektrownia wodna Zasieki. Als weiteres Jahr der Inbetriebnahme (oder Wiederinbetriebnahme?) wird auf einer polnischen Webseite 1931 angegeben sowie dort im Jahr 1964 als wieder aufgebaut. Damals mit 0,4 MW Leistung. Das Messtischblatt 4254 Brody-Pörten zeigt, dass der Westdeich vor dem 2. Weltkrieg ebenfalls bebaut war und ein Weg über das Neißewehr zur Mühleninsel führte, auf der die Neißmühle stand und als Wasserkraftwerk noch steht. In dieser Zeit wurde die Elektroenergie zuerst für den Betrieb einer Holzwollefabrik genutzt, später dann für die Sprengchemie. Wahrscheinlich besteht zwischen beiden ein Zusammenhang, denn man findet nach längerem Suchen im Netti auch die Bezeichnung “Sprengwolle“. 1994-1996 Modernisierung des Wasserkraftwerkes. Seitdem hat es eine installierte Leistung von 0,82 MW; Wasserdurchlaufmenge 32 m3/sec., Fallhöhe des Zulaufes der Turbine 3,7 m bei normaler Wasserspiegelhöhe. Die Turbine ist vom Typ Przepływowa. Soviel zu dieser Anlage. Auch diese Angaben fanden wir auf einer polnischen Webseite.

Eine Tafel auf dem Neißedamm informiert darüber, dass wir jetzt das Naturschutzgebiet (NSG) Hispe tangieren (Foto 43). Keine weiteren Informationen in einschlägiger Literatur bzw. im Internet, außer der Verordnung über die unter Schutz Stellung der Hispe als Naturschutzgebiet mit dem Schutzzweck, den Verboten sowie den zulässigen Handlungen u.a. Durchführungsbestimmungen (man beachte die Reihenfolge). Nirgendwo eine Aussage darüber, ob die angekündigte Prüfung der Widmung als Naturwaldparzelle erfolgt ist und mit welchem Ergebnis. Auch die Anlage zu der Verordnung mit der Karte von dem genannten Gebiet fehlt wieder einmal. Was Hispe nun eigentlich vom Namen her ist, wissen wir bis heute nicht. Auch nicht, was man unter Magnopotamions oder Hydrocharitions verstehen muss. Ist ja vielleicht auch nicht so wichtig. Matthias Platzek wird das alles sicherlich wissen, hat er doch diese Verordnung 1995 als zuständiger Minister unterzeichnet…

Auf Karten unterschiedlicher Jahrgänge, z.B. 1946, sieht man lediglich, dass es sich bei der Hispe ebenfalls um ein Altarm-Gebiet der Neiße handelt mit einer abgeschlossenen Wasserfläche, also ohne Zu- bzw. Ablauf. Bei Natura 2000 dagegen nach längerem „Googeln“ schon eine konkretere Darstellung des Ganzen mit Karte, maßstabangepasst an DTK 10 mit Zu- und Ablauf sowie ausgewiesenen Flächen für natürliche Eigendynamik (Sukzession), Pflegemaßnahmen und Extensivierung/Reduzierung des Trophiezustandes sowie Verbesserung/Sanierung des Wasserhaushaltes. (bei Google „Managementplan für das FFH-Gebiet Hispe“ eingeben und dann die Karten ansehen).

Nach mehreren schönen Naturfotos zeigen wir ein Foto des Neißedamms in Richtung Norden (Bild 51) mit der Dampfwolke des Kraftwerkes Jänschwalde (nicht mit dem Rauch, wie vielfach angenommen, obwohl bei der Dampferzeugung natürlich auch Rauch entsteht und frei gesetzt wird), links am Bildrand die verzinkte Säule der Fluss-Kilometrierung. In der rechten Bildhälfte ist hinter dem Birkenwäldchen der Scheunoer Weinberg zu sehen. Allgemein findet man über den Weinbau in der Niederlausitz nicht sehr viel in Printmedien und dem Netti. Man muss schon länger und hartnäckig suchen. Wenn die 182 Seiten tatsächlich interessieren und neugierig machen,, sollte man bitte bei Google folgende Stichpunkte eingeben: „Heinz-Dieter Krausch: Der frühere Weinbau in der Niederlausitz“. Auf den Seiten 24 u. 25 im PDF-Menü findet man dann auch ein paar sehr konkrete Aussagen über den Scheunoer Weinberg: „Das Weinbaugebiet von Forst-Triebel erstreckte sich im wesentlichen über die westlich von Forst gelegenen Moränenplatten und reichte im Süden bis Muskau und Triebel, im Norden fand es Anschluß an das Gubener Weinbaugebiet. Von dem Sommerfelder Weinbaugebiet ist es durch die breite Zone der Pförtener Heide getrennt. Wir rechnen zu diesem Weinbaugebiet die Weinberge von Bohrau, Weißack, Dubrau, Kl. Jamno, Forst, Scheuno, Kathlow, Sergen, Komptendorf, Gablenz, Gr. Schacksdorf, Gr. u. Kl. Kölzig, Döbern, Bohsdorf, Preschen, Jerischke, Wolfshain, Tschernitz, Zelz, Triebel, Kemnitz, Gr. Särchen sowie die von Muskau und Krauschwitz… Auch die Forster Weinberge, die im Süden der Stadt an der Straße nach Noßdorf lagen, sollen zum größten Teil im Dreißigjährigen Krieg aufgegeben worden sein, jedoch wurde noch um 1790 in der Stadt Forst ’etwas Weinbau’ betrieben. Heute erinnert nur noch die ’Weinbergstraße’ an den früheren Forster Weinbau.
Ausgedehnte Rebenanlagen trug der zur Herrschaft Forst-Pförten gehörige Scheunoer Weinberg am östlichen Neißetalrand. Zur Zeit der Bibersteiner (1380-1667) sollen hier oft 100 Viertel Wein in einem Jahre erzeugt worden sein, welche größtenteils in die Stadt verkauft wurden. 1846 wurde der Weinbau nicht mehr im alten Umfang betrieben, 1852 betrug die Weinbergfläche noch 34 Morgen.“

Es würde hier zu weit führen, die Maßeinheiten für die einzelnen Weinmengen zu beschreiben und die Größe eines Morgens in Brandenburg-Preußen. Größere Ausführungen gibt es darüber ziemlich am Ende des umfangreichen Textes über die ca. 555 Weinberge in der Niederlausitz bzw. in der Wikipedia über Wein- und Flächenmaße. Wir wissen jedoch durch Augenscheinnahme von den früheren Weinbergen in Pförten, Nieder Jehser, Beitzsch, Amtitz, Triebel, Zelz und Muskau. Oftmals wurde das Gebräu als Herrenwein bezeichnet, was wohl weniger damit zusammen hängt, dass nur Herren Wein tranken, sondern damit, dass die Damen der Gesellschaft etwas Lieblicheres bevorzugten in puncto Wein. Oftmals wurden Weinberge auch geteilt und alle Flurstücke der jeweiligen Besitzer als einzelne Weinberge auf einem Areal ausgewiesen bzw. gezählt.

Wir haben Groß Bademeusel erreicht. Noch sehr gut sieht man den befestigten Weg zur frühere Neißebrücke und den Wegen über die Neiße zur Sprengchemie von Südosten und zum Graf Brühlschen Jagdstern in der Pförtener Heide nordöstlich der Bahnstrecke Forst-Sorau. Nein, über diese Brücke führte noch nicht die frühere Reichsstraße 122 nach Triebel-Sorau. Das war erst in Klein Bademeusel (Fotos 52-59).

In Groß Bademeusel muss man sich erneut entscheiden, ob man noch bis zur Höhe 118,6 laufen will oder gleich zurück nach Keune bzw. Forst geht. Beides ist möglich. Eine dritte Möglichkeit wäre, von Groß Bademeusel mit dem Linienbus zurück zu fahren. Dafür sollte man die Abfahrtzeiten des ÖPNV- Stadtverkehrs Forst kennen oder beim Wirt der Gaststätte Zur blauen Maus nachfragen und die Zeit bis zur Abfahrt im Wirtshaus zubringen bei Speis’ und Trank. Will man abbrechen und zurück laufen, ist Orts- bzw. Kartenkenntnis zwingend notwendig. Man weiß vielleicht noch, den Domsdorfer Weg in Richtung Westen bis zum Preschener Weg zu laufen, aber welcher ist nun der Preschener Weg bei den mehreren kreuzenden Möglichkeiten? Es gibt weder Markierungen noch Wegezeichen oder Wegweiser. So war die Situation jedenfalls 2013.

Ein weiteres Problem dabei ist, dass der Domsdorfer Weg direkt gar nicht nach Domsdorf führt, sondern zu den Groß Schacksdorfer Teichen. Schaut man sich die Situation bei Google Maps oder im Forster Stadtplan an, kann man sich die zu laufende Strecke vielleicht am besten verinnerlichen und „Zusammen bauen“. Gleich am Ende des angerartigen Domsdorfer Weges nach Nordwesten abbiegen , also rechts halten, auch bei der nächsten Wegegabelung rechts halten und dann immer geradeaus, bis zur zweiten Wegekreuzung, an der sich rechterhand ein kleiner Kahlschlag befand oder befindet (also beim 2. Kahlschlag in Summe!). Dort trifft man auf den Preschener Weg, der, nach Norden laufend, vorbei am Wotansee, nach Keune führt. An der Wegekreuzung mit dem Preschener Weg sieht man linkerhand, also südlich der Kreuzung, auch ein Bachbett, vielleicht auch trocken gefallen, aber so etwas schüttet sich nicht von selbst zu.

Zurück zu Groß Bademeusel. Natürlich ist eine Einkehr in der „Blauen Maus“ verlockend. Aber wir möchten warnen. Der innere Schweinehund ist groß und der Wille schnell gebrochen, noch das ursprüngliche Ziel im Auge zu haben. Außerdem kommt man nach einer Stunde Rast wieder „schwer in die Gänge“. Besser ist es, die Einkehr auf die Zeit nach der Wanderung zu verschieben, wenn man die Beine gemütlich für längere Zeit ausstrecken und irgendwo unter dem Tisch verstecken kann nach vollbrachter Tat…

Also: Nach einem Blick auf den Fahrplan an der Haltestelle, man weiß ja nie, wozu das gut sein kann, entlang der Dorfstraße nach Südosten wandern bis zum Abzweig der Straße nach Preschen (Fotos 60-68). Altes Kopfsteinpflaster erinnert uns häufig an die Lebzeit Theodor Fontanes (1819 bis 1898). Hinauf laufend aus dem Neißetal ist diese Straße unsere nächste Trasse und der Stockholmer Granit, ein großer Findling unser nächstes Ziel. Ursprünglich führte diese Straße, früher sicherlich als sandiger Fahrweg, auch nach Muskau. „Man traf sich“ mit dem Weg vom Neißewehr nördlich von Raden! Um nach Preschen zu kommen, muss man heute allerdings östlich von Raden rechts abbiegen und dann in westlicher Richtung durch das Dorf Raden fahren.

Nun liegen an dieser schmalen Straße mehrer Feldsteine. Als Findling bezeichnet man jedoch Feldsteine, deren längste Achse mindestens 1 Meter ist, etwa 1½ Schritte, also etwas „Größeres“. Wir haben ihn mit zwei Fotos dokumentiert, damit er nicht mit den anderen verwechselt wird (Fotos 73 u. 74). Was hat es mit diesem Geotop auf sich, den der Forster Geologe Frank Mädler beschrieben hat?
„Der Findling liegt gut erreichbar direkt an der Straße von Groß Bademeusel nach Raden ca. 400 m südlich des Ortsausganges Groß Bademeusel. Es handelt sich dabei um einen 2,63 m x 1,6 m x 0,8 m (1,92 m3) großen z.T. bearbeiteten Stockholm Granit (…); sein Alter ist 1.760 Millionen Jahre. Der Findling ist im Geotopkataster des Landes Brandenburg mit der Nummer 176 registriert.“ Quelle:
Führer zur Geologie von Berlin und Brandenburg. Nr. 10 Cottbus und Landkreis Spree-Neiße. Seite 215
Herausgegeben von J. H. Schroeder. Selbstverlag Geowissenschaftler in Berlin und Brandenburg e.V.
Berlin 2011 ISBN 978-3-928651-15-B

Was ein Geotop ist, erfährt man u.a. in der Wikipedia. Und noch etwas. Man kann das angenäherte Volumen eines solchen Steines selbst berechnen und damit auch das etwaige Gewicht. Man muss nur die entsprechende Formel, die Gesteinsart, das spezifische Gewicht und die Abmessungen kennen…

Wenn man auf der Preschener Straße die Autobahnbrücke sieht (Foto 78) und rechts ein Weg von der Straße nach Norden weg führt, ist die Stelle erreicht, an der sich linkerhand ganz unspektakulär der höchste Punkt der Stadt Forst mit 118,6 Meter befindet (Fotos 79 u. 80). Das Vergleichen des Messtischblatts 4354 Triebel 1940 mit dem Stadtplan wird empfohlen, unter Beachtung der Tatsache, dass dieser Punkt, wie schon erwähnt, im Stadtplan nicht eingezeichnet ist. Hier geht es jetzt um die Wege!

Links und rechts der Straße deutet das Profil der Erdoberfläche allerdings darauf hin, dass im Frühjahr 1945 hier vermutlich Kampfhandlungen statt gefunden haben. Wer damit mental ein Problem hat, sollte darauf verzichten, die kleine Anhöhe hinauf zu kraxeln. Man muss sich und Anderen nichts beweisen und zumindest gefühlt in Gefahr bringen…

Erst die Tatsache, dass man über diese Höhe sehr wenig im Internet und in der Literatur findet, hat uns richtig neugierig gemacht. Was hat es mit dieser Höhe wohl auf sich, die in aktuellen Karten, z.B. dem Forster Stadtplan, nicht vermerkt ist und auch im bereits erwähnten Geologieführer des Spree-Neiße-Kreises nicht namentlich erwähnt ist, sondern nur als punktuelle Höhenangabe 119 in der Übersichtskarte des Warthe-I-u. Warthe-II-Stadiums?

Da fiel uns ein, dass es in dem großen polnischen Karteportal auch ein geologisches MTBL. 4354 Triebel von 1928 mit letztem Bearbeitungsstand von 1923 gibt, also der Zeit vor dem 2. Weltkrieg. Wir hatten diese schon mal in Gebrauch im Zusammenhang mit dem östlichen Schenkel des Muskauer Faltenbogens. Ein großer roter Fleck leuchtete uns von sandfarbenem Untergrund auf der Karte entgegen. Diese kleine Fläche von geschätzten 200 x 100 Meter bzw. 300 x 150 Schritten entpuppte sich als (dG) Geschiebepackung mit steinigem Kies bis Sand. Und das auf (ds) Dünensand, z. T. in dünner Decke auf Sand, also eine Blockpackung auf Dünensand, nach heutiger Lesart ein Geotop. Wann und wie dieses Geotop dort hin-gekommen ist, wird durch die Zuordnung zum Warthe–II-Stadium allgemein bestimmt (Frank Mädler/Forst in besagtem Geologieführer auf Seite 213). Aber was geschah damit in der Neuzeit bis hin zum Ende des 2. Weltkriegs?

Wir vermuten, dass diese Geschiebepackung im Frühjahr 1945 genutzt wurde, um auf dem höchsten Punkt in dieser Gegend eine flächenmäßig größere Stellung auszubauen, die während der Kampfhandlungen oder danach zerstört und das Geotop in seinem ursprünglichen Zustand vernichtet wurde. Dabei kann sich auch die Höhe des Hügels um die fehlenden 0,6 Meter verändert haben. Natürlich tun sich dann auch weitere Fragen auf, z.B. nach den Zusammenhängen mit anderen Geotopen in der Gegend wie dem Stockholm Granit oder den Keuneschen Alpen, zu denen wir noch kommen oder der Blockpackung bei Raden.

Und noch einmal zur Autobahnbrücke: Im Internet findet man einen sehr interessanten Beitrag über die Geschichte der Autobahn Berlin-Breslau, vor allem auch zur Bauzeit. 1. a15.geschichte.html.htm – Autobahn Online; 2. PDF Baugeschichte A 15.

Übrigens: Bei jedem Blick auf alte Messtischblätter wird deutlich, wie viele Gestelle, Flügel und Linien als forst- und jagdwirtschaftliche Wege durch den Bau von Autobahnen und Bahnstrecken unterbrochen wurden und bei deren Aus- oder Neubau auch heute noch werden! Das gilt aber generell und ist kein nur für Forst und Umgebung typisches Problem. Natürlich trifft das auch auf einen Teil der Verbindungswege von Ort zu Ort zu und zwar nicht nur für uns Menschen, sondern auch für die Tiere…

Den bereits genannten Weg bei der Höhe 118,6 von der Preschener Straße laufen wir nun nach Nordwesten (Foto 81), kommen zuerst an eine Wegekreuzung (Foto 82) und laufen auf dieser Kreuzung geradeaus weiter – auf dem Foto von halbrechts kommend und nach links weiter laufend, nach dort, wo die Wanderin steht…. Das Bild wurde etwa auf der Achse von Süden nach Norden fotografiert.

An seinem Ende trifft unser Weg im spitzen Winkel bei der Höhe 98,4 auf einen schräg von Südwesten zulaufenden Querweg, den wir rechts nach Nordosten weiter gehen. In dem gestreckten Winkel zwischen den beiden Wegen war vor 1945 eine eingezäunte und bebaute Siedlung. „Auf Bergen“ nannte sich dieses Terrain. Jedoch ist davon so gut wie nichts mehr vorzufinden. Wodanshöhe wurde sie genannt und auch im Adressbuch des Kreises Sorau 1928 war diese unter dem Namen bei Groß Bademeusel zu finden. Die 100 m Höhenlinie verlief quer durch das Areal. Nach einem ausführlichen Beitrag im Forster Jahrbuch 2011 von Christoph Knüppel „Im Lichtkleid auf märkischem Sand – Die völkische Siedlung Wodanshöhe bei Groß Bademeusel“ war das eine einfache Siedlung gut organisierter nationalistisch gesinnter Leute auch aus anderen Gebieten Deutschlands mit nudistischer Prägung in den Zeiten der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, die hier versuchten, ihre Ideen auszuleben. Das ist ein sehr lesenswerter Beitrag, der uns überaus nachdenklich stimmte. Leider ist dieses Jahrbuch vergriffen, aber vielleicht bekommt man ja gegen ein kleines Entgelt beim Museumsverein Forst eine Kopie der 21 Seiten.

Bis 1990 befand sich auf der Wodanshöhe ein Funkfeuer für den nahen NVA-Flugplatz Preschen. Nach einem Bericht in der Lausitzer Rundschau hat dort in der Nähe Mitte August 2015 eine Windhose drei Hektar Wald verwüstet. Wir wissen nicht, wie es dort jetzt aussieht, weil wir seit dem nicht mehr dort waren.

Wir laufen nun auf dem erreichten Querweg rechts leicht bergab nach Nordosten bis zur nächsten Wegekreuzung. Wer nur von Groß Bademeusel aus den kleinen Kringel bis zur Höhe 118,6 laufen wollte oder wer von Groß Bademeusel mit dem Bus nach Forst zurück fahren möchte, der läuft an dieser Wegekreuzung nach rechts, Richtung Osten, und dann an der nächsten halblinks, Richtung Nordosten. So kommt man zum angerähnlichen Domsdorfer Weg und der Bushaltestelle in Groß Bademeusel.

Ansonsten an dieser Wegekreuzung im spitzen Winkel links weiter laufen, auf dem alten Receßflügel in Richtung Westen, linkerhand vorbei an der Höhe 98,8, bis zur 2. Wegekreuzung auf diesem Abschnitt. Was ein Receß früher war bzw. heute noch ist, findet man in der Wikipedia dazu. Wir vermuten, dass es sich dabei um einen Vergleich zu Streitigkeiten in der früheren Standesherrschaft Forst-Pförten gehandelt haben könnte.
An der genannten 2. Wegekreuzung wieder rechts in Richtung Norden, ebenfalls leicht bergab, bis zur nächsten Wegekreuzung bei der Höhe 87,9.

Nun haben wir den schon beschriebenen Weg von Groß Bademeusel (für die Abkürzung) erreicht, laufen links weiter in Richtung Nordwesten, sehen bald das Bachbett links vom Weg, an dem einst drei Laubbäume gepflanzt waren.- ob diese Eichen (?) wohl heute noch stehen - und erreichen den Preschener Weg bei der Höhe 85,4. Von den bis hier beschriebenen Wegeabschnitten haben wir bewusst keine Fotos eingeordnet, weil diese auf Grund des nur eintönigen Kiefernwaldes wenig Orientierungspunkte bieten und Verwechselungen möglich machen würden. Die Aufmerksamkeit soll sich auf die Wegebeschreibung konzentrieren bzw. auf eine selbst angefertigte Skizze nach dem Online-Kartenmaterial und dem Stadtplan.

Rechts laufen wir nun auf diesem Weg in Richtung Norden. Bald öffnet sich westlich des Weges die Landschaft und zeigt uns, dass der Boden hier nicht mehr so trocken ist wie auf den Höhen (Fotos 83 u. 84). Vorbei am Wotansee (Fotos 85 u. 86) kommen wir bei den ersten Häusern am „Grünen Klassenzimmer“ des Forster Vereins Land & Leute vorbei zur Triebeler Straße L 49 nach Keune. Bei uns tauchte beim Lesen der Bezeichnung Wotansee die Frage auf, ob denn die Nudisten von der Wodanhöhe hier drin gebadet haben – wenn auch die Schreibweise des Wodan auf Wotan wechselte? Siehe auch Wotanstraße in Keune. Wer aber war nun dieser Wodan oder Wotan eigentlich? War da nicht was mit den Nibelungen? Also – siehe wieder Wikipedia…

Keune - L 49 – Triebeler Straße (Foto 87): Namen von Straßen sagen uns oft, wohin diese führen bzw. von woher sie kommen. So auch in diesem Fall. Deshalb an dieser Stelle noch ein paar Gedanken zu dieser Straße Forst-Triebel. Ein Blick auf das uns zugängliche älteste Messtischblatt 4354 Triebel von 1901 zeigt, dass es diese Kunststraße bzw. Chaussee bzw. Steinstraße schon zur Zeit der Preußischen Landaufnahme um 1900 gab. Bei noch genauerem Hinsehen allerdings nicht in durchgängig gleicher Breite. In der Ortslage Groß Bademeusel stand wohl dafür die Dorfkirche auf dem Anger „im Wege“. Das war auch noch auf dem geologischen MTBl. Triebel von 1928 mit Stand von 1923 so. Die Verbindung zum südlich an der Neiße gelegenen Bahren gab es nur als Weg durch den Wald.

Wie wir über die Geschichte der BAB 15 wissen, war deren Ausbau als frühere Autobahn Berlin-Breslau ursprünglich nicht an Forst vorbei führend vorgesehen, sondern über Guben. Erst als die Planungen geändert wurden und Forst „ins Spiel“ kam, nahm die Bedeutung der Triebeler Straße wohl sprungartig zu, wurde sie doch in die geplante Anschlussstelle Forst-Ost (heute Olszyna-Erlenholz) eingebunden. Ihr Ausbau erfolgte wohl dann in der 2. Hälfte der 1930er Jahre, wobei vor allem die „Engstellen“ in Groß Bademeusel sowie die östliche Brückenrampe der Neißebrücke ausgebaut wurden. Für den Bau der Autobahn wurde in der Forster Rüdigerstraße 22 eine Bauabteilung eingerichtet. Mit deren Leitung war der Regierungsbaumeister D. Albertz betraut. Am 15.12.1938 erfolgte die Verkehrsfreigabe des Autobahnabschnittes Forst-Ost – Forst (heute Forst-Bademeusel) mit der Neißebrücke zwischendrin. Bei Klein Bademeusel war auch der höchste Punkt dieses Autobahnabschnittes, die übrigens erst einmal einspurig in beide Richtungen gebaut wurde.

Erst nach dem Ausbau wurde unserer Meinung nach die Triebeler Straße in das System der Fern- bzw. Reichsstraßen (ab 1934) eingegliedert, indem man die Reichsstraße 122 Cottbus-Forst (erbaut 1861 mit maßgeblicher Fürsprache des Fürsten Hermann von Pückler Muskau auf Branitz und mit Trassenführung durch seinen Außenpark einschl. Torhaus an der Englischen Allee und Chausseehaus an der Kastanienallee).

Die in dieser Zeit (2. Hälfte 19. Jahrhundert) gebauten Kunststraßen erhielten noch Steine mit Entfernungsangaben in Preußischen Meilen. Solche Meilensteine findet man zwischen Berlin und Forst noch heute u.a. an der B 96 zwischen Baruth und Golßen, an der B 115 zwischen Golßen und Lübben, an der L 49 zwischen Lübben und Lübbenau in Lübben-Steinkirchen und im Zerkwitzer Bogen, an der L 49 zwischen Lübbenau und Forst beim Abzweig Groß Lübbenau, hinter dem Ortsausgang Cottbus-Branitz kurz vor dem Chausseehaus, in der S-Kurve vor Kathlow und in Groß Jamno rechts beim Hof-Teich. Und auf dem MTBl. 4356 Sorau 1939 zwischen Linderode und Sorau – allerdings nur auf dieser Karte und auch nicht mehr in der Landschaft. Alle anderen Steine sind durch Kriegseinwirkungen und Straßenausbau verschwunden.

Die Preußische Meile wurde seit Einführung des metrischen Systems mit einer Länge von 7,532 Kilometer definiert (siehe Preußische Meile in der Wikipedia). In diesem Abstand standen auch die Meilensteine, bei uns in der Regel als Rundsockelsteine, von Berlin aus in alle Richtungen. Der so genannte „Null-Meridian“ befand sich ursprünglich in der Spittelkolonnade. Wer mehr darüber wissen möchte, bitte mal die Webseite forschungsgruppe-meilensteine.de ansehen oder bei Google „Preußische Meilesteine“ eingeben. Teilweise sind diese preußischen Meilensteine auch noch in den Messtischblättern eingetragen. Und wer weiß, wo mindestens zwei hintereinander stehen, der kann das ja mal testen mit den 7,532 Kilometer, ob das auch stimmt – z.B. Ortsausgang Branitz–Kathlower S-Kurve oder Lübbenau-Zerkwitz in der Kurve und Lübben-Steinkirchen bei der Bushaltestelle.

Nach Einführung des metrischen Systems wurden Kilometersteine gesetzt. Diese findet man auf jeden Fall in den Messtischblättern als kleines Dreieck mit fortlaufender Nummer für die Anzahl der Kilometer – auch an der Triebeler Straße, nach 1934 als Reichsstraße 122 von Cottbus nach Forst und später als deren Verlängerung dann weiter nach Triebel.

Die Sorauer Straße in Forst hielt jedoch (bisher) nie, was ihr Name verspricht – nämlich, wohin sie führt bzw. woher sie kommt. Dazu hätte man wohl den Seufzersteg als richtige Straßenbrücke ausbauen und die Straße im Ortsteil Berge als Zufahrt in gleicher Breite in die Pförtner Straße einbinden müssen. Aber für diese gab es ja seit 1921 schon die steinerne Lange Brücke mit prächtigem Ausbau. In unserem dicken Buch von 1861 finden wir allerdings keine Hinweise für den Ausbau, von Chausseen oder Steinstraßen zwischen Forst und Sorau, weder über Sommerfeld noch über Triebel. Für die Triebler Variante gibt es lediglich bei Sorau einen Hinweis auf eine Steinstraße Sorau-Triebel mit Anschluss an die Steinstraße Muskau-Triebel. Die Steinstraße Sorau-Triebel war dabei bis kurz vor Linderode auch Teil der früheren Poststraße Warschau-Dresden (siehe dazu auch die private Website dresden-warszawa.eu).

Die L 49 führt gegenwärtig übrigens von der AST Bademeusel der BAB 15 bis nach Lübben im Spreewald über Forst-Cottbus-Vetschau-Lübbenau/Spreewald, also auch durch unseren Wohnort. Unter dem Titel „Forst: Stein steht an Triebeler Straße“ veröffentlichte der Märkische Bote (Ausgabe Forst) am 6. Oktober 2007 Leser-Meinungen zu einem Grenzstein für die Straßen-Unterhaltung an der Triebeler Straße hinter dem Ortsausgang Keune in Richtung Groß Bademeusel.

Mit dem Erreichen der Triebeler Straße befinden wir uns sichtbar wieder im eigentlichen Stadtgebiet von Forst – siehe dazu noch einmal die anfängliche Erklärung über die Ortsteile. Um nicht an der ziemlich stark befahrenen Triebeler Straße stadteinwärts laufen zu müssen, überqueren wir unter Beachtung des Verkehrs diese Straße, umgehen das kleine Wäldchen (Foto 88), im Spreewald würde man so etwas als „Pusch“ bezeichnen, und genießen nach Osten mit der Nachmittagssonne im Rücken einen herrlichen Blick über die Talsandniederung der Neißeaue hin zum Neißedamm und evtl noch einmal hinüber zum Scheunoer Weinberg sowie zum Sandberg und auf Keune von Südosten (Fotos 89 u. 90). Beim Sophienweg erreichen wir wieder die Triebeler Straße.

Auf dieser gelangen wir ins Zentrum von Keune mit dem Info-Punkt, dem Kriegerdenkmal, Bäckerei, Friseur, Bushaltestelle und Keuner Eck (Fotos 91 u. 92). Das Feuerwehr-Gerätehaus mit Schlauchturm in der Keuner Straße will die Stadt Forst verkaufen. Vielleicht hätte man daraus ja auch eine Heimatstube mit Aussichtsturm machen können? Diese Frage wirft bei uns eine weitere auf, nämlich nach dem Umgang mit der Historie früherer und heutiger Ortsteile der Stadt, obwohl das nicht nur für Forst kritisch zu hinterfragen wäre…

Es gäbe vieles mehr über Keune zu schreiben als „nur“ über das Forster Wasserwerk mit seiner interessanten Geschichte seit 1903 (siehe die Website stadtwerke-forst.de, dann bitte durchklicken>Ihre Stadtwerke>Geschichte>Wasserwerk) oder den alten Gasthof Krause (Ansichtskarten zum Betrachten im Netti).

So fanden wir im Vollständigen Staats-Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen,…verfasst von August Schumann Fünfter Band Königstein bis Lohmen – Zwickau, im Verlage der Gebrüder Schumann 1818:
„Koyna, Koine, ein Dorf in dem Herzogth. Sachsen, in dem Gubener Kreise der Niederlausitz, in der Herrschaft Forsta, am rechten Ufer der Neiße, ¾ Stunden südl. von Forsta gelegen. Es hat 170 Einwohner mit 1550 Gülden Schatzung, und soll das älteste Dorf der Herrschaft seyn. Hier gräbt man auch Eisenstein und findet noch bisweilen im Walde Urnen mit Asche und Gebeinen. Südöstlich vom Dorfe liegt der Förstner Berg. Die Einwohner sind nach Forste eingepfarrt.“

Wieso hier vom Gubener Kreise die Rede ist, müssen wir nochmals hinterfragen. Eigentlich müsste es Sorauer Kreise heißen. Wo es in der Nähe von Koyne einen Eisenhammer zur Verhüttung des abgebauten Raseneisensteins gab, wissen wir inzwischen und für den Förstner Berg südöstlich des Dorfes hätten wir auch einen Vorschlag nach dem Lesen des nächsten Abschnittes…

Über einen Bannforst zu Koyne sowie den Ursprung des Ortsnamens haben wir in „Neues Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des Preußischen Staates – Herausgegeben von Leopold Ledebur, (…) Dritter Band. Berlin, Posen und Bromberg.1836“, Seite 26, gelesen:
„Die kaiserlichen unmittelbaren Güter waren in der Niederlausitz übrigens ziemlich zahlreich, und es wird hier auch ein eigener Bannforst zu Koyne72) gefunden. Noch unter Kaiser Friedrich I. waren unmittelbare kaiserliche Besitzungen vorhanden. Denn erst dieser vertauschte z.B. Dahme gegen Niemitzsch73) an den Erzbischof von Magdeburg, und verkaufte letzteres wieder an den Markgrafen Dedo.

72) Versuch einer Gesch. der Niederlausitz. Landvögte Thl. I. S. 27. Daß der Bannforst zu Koyne, dessen der Sachsenspiegel L. II. Art. 61 gedenkt, nicht mit Unrecht in die Niederlausitz gesetzt wird, dafür spricht auch Mösers Ansicht, daß die Bannforsten zum Theil aus den heiligen Hainen entstanden wären, in dem die Könige, nach Einführung des Christenthums, an die Stelle der heidnischen Gottheiten traten. Denn Koyna bedeutet Aufenthalt des Pferdes, Koi, welches bei den Slaven für heilig gehalten wurde, Ditmar erwähnte, daß die Slaven ein Weissagungspferd stets mit sich herumgeführt hätten, und ein solches wurde ursprünglich also wohl in jenen Wäldern verehrt, in denen das Dorf Koyne und in neuerer Zeit auch das Städtchen Forst entstand, welches im funfzehnten Jahrhunderte noch jederzeit: zum Forst genannt wurde. Möser Osnabr. Thl. I S. 52, 359 Ditmar p. 135. Ueberhaupt versteht Epko von Repkow wenn er der Marken gedenkt, darunter auch die Mark Lusitz, und erwähnt selbst in der Vorrede mehrerer der ältesten Familien aus derselben, z. B. der Freiherren von Hackeborn und der Reichsschöppen von Trebul, die er für Schwaben erklärt.
73) Destinata I, 603. Der Herr Verfasser des Aufsatzes im neuen Lausitz. Magazin B. V. S. 11 verkennt die Stellung der Markgrafen zu jener Zeit noch viel zu sehr.“

Um eine bessere Übersicht von Keune zu erhalten, empfehlen wir einen kleinen Rundgang durch das bis 1940 eigenständige Dorf entgegen dem Uhrzeigersinn östlich der Triebeler Straße auf der Keuner Straße u. Ackerstraße bis zur Alpenstraße (Fotos 93 u. 94). Ja, die Alpenstraße gibt es tatsächlich! Aber wieso hier eine Alpenstraße? Die Antwort darauf haben wir, wieder von Geologen Frank Mädler aus Forst beschrieben, erneut im Führer zur Geologie von Berlin und Brandenburg Nr. 10 Cottbus und Landkreis Spree-Neiße, herausgegeben von J. H. Schroeder 2011, Seite 198f, gefunden. Keunesche Alpen. Wenn wir von Frank Mädler die Freigabe für die Verwendung der Textpassage erhalten, werden wir diese nachträglich an dieser Stelle einfügen.

Am 17. März 2017 haben wir von Frank Mädler aus Forst die Freigabe für die Veröffentlichung seines Textes erhalten. Hier nun der Wortlaut: „Am Ortsausgang von Forst, der Kreisstadt des Landkreises Spree-Neiße, in Richtung Groß Bademeusel befindet sich eine bemerkenswerte geologische Landschaftsform. Morphologisch deutlich erheben sich gegenüber (östlich) des Wasserwerks Hügelzüge 10 – 20 m über das Niveau der Straße. Noch erkennbarer werden diese Erhebungen, betrachtet man sie von Osten aus der Neißeaue (…)
Die „Keuneschen Alpen“ – so werden diese Hügelzüge genannt – sind typische äolische, d.h. Wind-Bildungen. Die Düne hat die Form eines langgestreckten Rückens in Richtung der allgemein in der Region angenommenen Windrichtung aus Nordwesten. Längsdünen kann man als Züge von hintereinander gereihten, zusammengewehten Einzeldünen betrachten. Entsprechend gibt es die relativ flachen dem Wind zugewandten Luv-Hänge und die steilen dem Wind abgewandten Lee-Hänge (…) Sie können wechselnd auf beiden Seiten der Rücken vorkommen.

Die Tops der Dünen sind lokal ohne Bewuchs bzw. nur mit Trockenrasen bewachsen. Dort sind die typischen äolischen sehr gleichkörnigen feinen Dünensande gut aufgeschlossen.

Im Periglazial der Weichsel-Vereisung kam es im kalten, trockenen und vegetationsarmen Klima durch starke Winde vor allem aus westlichen Richtungen zum Ausblasen der Sande der Kältewüsten und Bildung von Flugsandfeldern und Dünen. Flugsandfelder und Dünen sind im Landkreis Spree-Neiße vor allem im Baruther Urstromtal sehr häufig zu finden. Nördlich von Forst sind deutliche Flugsandfelder und Dünen zwischen Mulknitz und Briesnig vorhanden. Weitere Gebiete mit äolischen Ablagerungen befinden sich nordwestlich Cottbus bei Gulben und Briesen, nordöstlich bis östlich Cottbus bei Dissenchen und Kathlow sowie zwischen Peitz und Heinersbrück…

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die landschaftliche Schönheit der Keuneschen Alpen erkannt. Durch den Forster Stadtmühlenbesitzer Rüdiger wurde das Gelände durch Neupflanzungen von Laubgehölzen und Ziersträuchern und den Ausbau des am Fuße der „Alpen“ an der Neißeseite entlang führenden Fußpfades zum befestigten Weg, dem Poetensteig, zu einem kleinen Naturpark hergerichtet. Davon ist leider heute nichts mehr zu erkennen. 1931 wies der damalige Naturschutzbeauftragte des Stadtkreises Forst Paul Decker auf die geologische Bedeutung der Keuneschen Alpen hin. Im Jahre 1958 wurden diese Binnendünen mit dem Status Landschaftsschutzgebiet (LSG) belegt. Trotz dieses Schutzstatutes musste 1963 durch den damaligen Naturschutzbeauftragten des Kreises Forst, Max Balde, vehement Widerspruch gegen den vorgesehenen Bau eines Rinderstallkomplexes in diesem Gebiet eingelegt werden. Der Kampf um den Erhalt dieses Geotops ist gelungen. 1968 wurden die Keuneschen Alpen in das Landschaftsschutzgebiet „Neißeaue“ integriert. 1990 erhielten die Binnendünen Keunesche Alpen den Status eines Geotops mit der Nummern 1624 im Geotopkataster des Landes Brandenburg.“

Über die Alpenstraße erreichen wir diesen früheren Panoramaweg (Fotos 95-100) und durchlaufen auf diesem konsequent die Keuneschen Alpen bis zur Ringstraße in Höhe des Keuneschen Kirchwegs. Dabei kam uns der Gedanke, dass die Koyn’schen, wenn sie früher sonntags zur Land- oder Stadtkirche nach Forsta zum Gottesdienst liefen, bestimmt auch oft den Weg über die Keuneschen Alpen nahmen?

Von der Website des Bauunternehmens Mattig & Lindner - seit 1909 (mattig-lindner.de, bitte durchklicken>Unternehmen>Geschichte) wissen wir, dass die Bebauung der Ringstraße und des Keuneschen Kirchweges in den 1930er Jahren im Stil der Moderne durch dieses Unternehmen erfolgte. Vor dem Freibad eine weitere Impression dieser Bebauung der Ringstraße (Fotos 101 u. 103).

Letzter Blickfang auf unserem langen Fotospaziergang ist der Eingang zum Erlebnis-Freibad (Foto 102). Leider findet man außer der Aussage, dass es dieses Bad seit den 1950er Jahren bereits an dieser Stelle des Mühlgrabens gibt, wenig Historisches auf der Website des Bades. Dabei gäbe es allein über die Zusammenhänge der Verlegung des Freibades am Mühlgraben bei der Badstraße, welches dieser Straße auch den Namen gab, wegen der Begradigung des Mühlgrabens für die Erweiterung des Eltwerkes viel zu berichten…

Außer Puste und die neue Nikon voller Bilder waren wir endlich nach sechs Stunden wieder zurück auf dem Parkplatz am Rosengarten.

Ziehen wir ein Resümee:
Aus der Beschreibung der ganz großen Runde lassen sich wenigsten 6 kleine bis größere Kringel in Form von Spaziergängen oder Wanderungen im Uhrzeigersinn ableiten:

1. Forster Rosengarten – (Oder-Neiße-Radweg bis Groß Bademeusel) - Neiße-Wehranlagen – Neißewehr WKW Neißmühle/Hispe – Groß Bademeusel Ortsmitte L 49 – Straße nach Preschen - Stockholm Granit – Höhe 118,6 – frühere Wodanshöhe – Preschener Weg - Wotansee - Keunesche Alpen – Forster Rosengarten - ca. 18 Kilometer

2. Forster Rosengarten – (Oder-Neiße-Radweg bis Groß Bademeusel) - Neiße-Wehranlagen – Neißewehr WKW Neißmühle/Hispe – Groß Bademeusel Ortsmitte – Domsdorfer Weg – Preschener Weg – Wotansee - L 49 - Keunesche Alpen – Forster Rosengarten - ca. 14,5 Kilometer

3. Forster Rosengarten – (Oder-Neiße-Radweg) - Neiße-Wehranlagen – Abzweig - -Weg Am Sandberg – Keune Ortsmitte – Alpenstraße - Keunesche Alpen – Forster Rosengarten - ca. 5,5 Kilometer

4. Keune Ortsmitte – Weg Am Sandberg - (Oder-Neiße-Radweg bis Groß Bademeusel) - Neißewehr WKW Neißmühle/Hispe – Groß Bademeusel Ortsmitte L 49 – Straße nach Preschen - Stockholm Granit – Höhe 118,6 – frühere Wodanshöhe – Preschener Weg - Wotansee – Keune Ortsmitte - ca. 14 Kilometer

5. Keune Ortsmitte – Weg Am Sandberg - (Oder-Neiße-Radweg bis Groß Bademeusel) - Neißewehr WKW Neißmühle/Hispe – Groß Bademeusel Ortsmitte L 49 – Straße nach Preschen – Stockholm Granit – Höhe 118,6 – frühere Wodanshöhe - Domsdorfer Weg – Groß Bademeusel Ortsmitte L 49 - ca. 10,5 Kilometer

6. Groß Bademeusel Ortsmitte – Straße nach Preschen – Höhe 118,6 - Wodanshöhe – Domsdorfer Weg – Groß Bademeusel Ortsmitte - ca. 4,5 Kilometer

Dazu kommen zwei weitere Möglichkeiten, welche man sicherlich zum Laufen empfehlen kann, die wir jedoch im Rahmen unserer großen Runde so nicht erkundet haben:

7. Forster Rosengarten – (Oder-Neiße-Radweg bis Groß Bademeusel) - Neiße-Wehranlagen – Neißewehr WKW Neißmühle/Hispe – zurück auf dem Neißedeich bis Abzweig - Weg Am Neißewehr – früheres Vorwerk - L 40 - früheres Forsthaus – Preschener Weg Wotansee – L 49 Triebeler Straße – Keune Ortsmitte – Alpenstraße – Keunesche Alpen – Forster Rosengarten – ca. 9,0 Kilometer
(Achtung: Der Weg, der direkt vom Neißewehr zur L 49 führt, ist nicht der Weg Am Neißewehr!

8. Keune Ortsmitte – Weg Am Sandberg - (Oder-Neiße-Radweg) - Neißewehr WKW Neißmühle/Hispe – zurück auf dem Neißedeich bis Abzweig - Weg Am Neißewehr – früheres Vorwerk - L 40 - früheres Forsthaus – Preschener Weg Wotansee – L 49 Triebeler Straße – Keune Ortsmitte - ca. 6,0 Kilometer

(Achtung: Der Weg, der direkt vom Neißewehr zur L 49 führt, ist nicht der Weg Am Neißewehr!)

Man kann natürlich diese 8 Möglichkeiten auch entgegen dem Uhrzeigersinn laufen, was allerdings von den Einstiegen in andere Wegabschnitte her schwieriger ist. Dann hätten wir schon 16 Möglichkeiten.

Mit weiteren Möglichkeiten im oder entgegen dem Uhrzeigersinn unter Einbau von ein bis zwei Kreuzungen in Form von liegenden Achten als Wegführungen ist das System dann weitest gehend ausgereizt, dann allerdings mit teilweise anderen Entfernungen, weil Wegeabschnitte zweimal gelaufen werden müssten.…

Wir haben unsere inhaltlichen Aussagen zu ausgewählten Schwerpunkten nach umfassenden Recherchen hier niedergeschrieben, ohne dafür studierte Leute oder Experten zu sein. Wer manches richtiger weiß (nicht besser), sollte uns bitte konsultieren oder es hier öffentlich kund tun. Wir pochen nicht auf die Richtigkeit unserer Aussagen und Argumente. Sie können jedoch auf jeden Fall dienlich sein, um darüber weiter zu forschen und nachzudenken. Unsere Rufnummer findet man im Telefonbuch. Vielen Dank!

Gerd Laeser
Gästeführer Niederlausitz i.R. – und Frau Edeltraud
Lübbenau/Spreewald







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