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Rosen für die Erinnerung - Das Projekt Grenzrosen von Thomas Rother
20.09.2015 15:12 - Helmut Fleischhauer

Zum Ansehen der Fotos in der Bilderstrecke auf eines der Fotos klicken

Das Projekt "Grenzrosen" begann 2005 in Frankfurt (Oder).
Der Essener Künstler Thomas Rother möchte mit diesen Rosen aus Stahl den Opfern des mörderischen 2. Weltkrieges gedenken und sieht sie gleichzeitig als Versöhnungsgeste mit dem Aufruf "Blumen statt Waffen".

Warum nun immer neun Grenzrosen? Es gibt da mehrere Gründe. Deutschland hat 9 Nachbarn: Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Schweiz, Österreich, Tschechien, Polen und Dänemark.

2013 erblühte die erste Grenzrose in Kehl am Rhein, inzwischen sind es neun Grenzrosen in Kehl und der Nachbarstadt Straßburg. Die Kehler Rosen erinnern an die Ermordung von neun französischen Widerstandskämpfern der Réseau Alliance durch die Gestapo. Die Leichen wurden nackt in den Rhein geworfen.
An dem Ort, wo das geschah, heute ist dort die Europabrücke zwischen Frankreich und Deutschland, hat die neunte Rose ihren Platz gefunden.

Weitere Grenzrosen sind in Forst (Lausitz), am Kegeldamm, in Sacro, auf der Reisigwehrinsel und gegenüber des Textilmuseums erblüht. Je eine Rose steht in unseren Partnerstädten Brody und Lubsko.

Eine Rose steht in Bad Muskau und weitere Rosen werden ihren Platz dort noch finden.

Kürzlich wurden Grenzrosen in Welchenhausen am Dreiländereck Deutschland-Belgien-Luxemburg enthüllt.

Noch ist das Projekt nicht beendet.

Ich habe darüber sinniert, warum es Rosen aus Stahl sind. Mit Thomas Rother habe ich darüber nicht gesprochen.
Meine Gedanken: Stahl ist der Werkstoff für Waffen, aber auch für Pflüge. Der Zusatz "Blumen statt Waffen" deutet ja auch darauf hin.
Wenn ich daran denke, dass die deutschen Waffenexporte innerhalb eines Jahres dramatisch gestiegen sind, wird mir mulmig. Ja, Waffen sind offenbar ein "todsicheres Geschäft".

Die Grenzrosen aus Stahl schätze ich als Friedensboten weitaus mehr.

Thomas Rother hat auch noch eine ganz persönliche Motivation für sein Projekt.
Er bat mich, ihm Fotos der Enthüllungen der Grenzrosen in Forst, Brody und Lubsko zu schicken. Dieser Bitte bin ich gerne nachgekommen.

So entwickelte sich ein sporadischer Kontakt.

Im Sommer schrieb er mir:

"Gerade sehen meine Frau Christa und ich ihre grandiosen Aufnahmen. Unserer beider Väter sind im Krieg an der Ostfront verschollen. Für sie hatte ich das Projekt in Forst gemacht. Nun steht sie als Gruß zum Nachbarn. Sie steht natürlich für friedliche Nachbarschaft, aber auch für alle Toten dieser schrecklichen Vergangenheit, also auch für den Vater meiner Frau und für meinen."

Ich denke, es ist ein Unterschied, ob der Vater an einem bekannten Ort sein Leben lassen musste oder das für immer unklar bleibt.

Foto 1: Grenzrose am Kegeldamm
Foto 2: Enthüllung der Grenzrose in Brody



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